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befanden sich viele Kriminelle.
Auf den Wochenmärkten der
Stadt Hedwig das ABC des
Taschendiebstahls. Auch der Griff in die Ladenkasse
ihres Vaters oder der heimliche Griff in den Opferstock
der Kirche gehörten zu ihrem Betätigungsfeld. Im Jahr
1937 folgte Hedwigs erste Verhaftung, die ihr 90
Reichsmark Geldstrafe einbrachte. Nach ihrer ersten Tat
wurde sie von einem Polizisten festgenommen. Nachdem
Hedwig zusammensackte und daraufhin Blut spuckte wurde
sie ins nächstgelegene Krankenhaus gebracht. Dort wurde
sie von einem Pfleger erkannt. „Na Hedwig, da bist`e ja
wieder, ich gebe dir gleich mal eine Spritze“, so die
Aussage des Pflegers. Hedwig lehnte dankend ab und gab
sich mit den Worten „Es ist alles in Ordnung“
geschlagen. Im Gegensatz zur ersten richterlichen
Bekanntschaft wurde sie ein Jahr später erneut beim
Taschendiebstahl festgenommen und zu sechs Monate
Gefängnis verurteilt. Hedwig sollte durch ihre
Verhaftung eigentlich gewarnt gewesen sein, aber ihr
arbeitsloser Geliebter hatte sich zu stark an die
geschickten Finger seiner Frau gewöhnt. Er drohte, sie
bei der Polizei anzuzeigen, da sie einmal ein Kind,
welches sie von ihm erwartete, selber abgetrieben hatte.
Er „wäre aber nicht so“, sagte er „großzügig“, er würde
der Polizei nichts von ihrer Tätigkeit als Taschendiebin
sagen, sofern sie weiter klaute. In den Jahren 1940 bis
1949 folgten vier Aufenthalte in den
Justizvollzugsanstalten (und zwar 1940, 1943, 1948 und
1949). Während ihrer Haftzeit gelang es Hedwig sich von
ihrem arbeitlosen Geliebten zu trennen. Sie lernte einen
Herrn Thiele kennen und heiratete ihn schließlich. Viel
hatte der Ehemann nicht von seiner Frau, denn bereits im
Jahre 1952 wurde sie wieder beim Taschendiebstahl
erwischt und verhaftet. Das Gericht ordnete daraufhin
ihre Unterbringung in einer Heil- und Pflegeanstalt in
Göttingen an. Wegen guter Führung durfte Hedwig einige
Male die Anstalt verlassen um Besorgungen zu machen. Wer
konnte schon ahnen, dass Hedwig unter „Besorgungen“
natürlich etwas anderes verstand. Einem Fahrstuhlführer
eines Göttinger Warenhauses war es zu verdanken, dass
ihre Streifzüge bald ein Ende hatten. Die rundliche
blonde Dame hatte sich bereits wieder ein Opfer
ausgesucht, als Kurt Melching sie auf frischer Tat
beobachtete und im Anschluss an die Polizei übergab. Der
Göttinger Fahrstuhlführer erhielt dafür von seinem Chef
eine Belohnung von 25,00 DM. Im Kellner der Anstalt
stellte die Polizei bei der anschließenden
Wohnungsdurchsuchung eine Geldkassette mit 3.000 DM
sicher. Zwei Jahre später, im Juli 1954, konnte sie
allerdings aus der Anstalt entkommen. Es dauerte nicht
lange und nach nur vier Tagen wurde sie wieder beim
Taschendiebstahl in der Hamburger Innenstadt auf
frischer Tat angetroffen und nach Hannover zurück
gebracht. Hier begann die persönliche Bekanntschaft
zwischen dem Sachbearbeiter „Taschendiebstahl“ Herrn
Anding und der uneinsichtigen Hedwig. Sie wurde wegen
ihres erneuten Diebstahls in Hamburg zu 15 Monaten
Gefängnis mit Sicherungsverwahrung und Unterbringung in
einer Heil- und Pflegeanstalt durch die Justiz
verurteilt. Hedwig lernte und studierte die Epileptiker,
die mit ihr in der Haftanstalt ihre Strafe verbüßten.
Mit anderen Insassinnen hielt sie regelrechte
Übungsabende ab, um die Symptome der Epileptiker
täuschend nachzuahmen. Im September 1960 stellte der
Kriminalbeamter Hr.Anding einen ungewöhnlichen Anstieg
der Fälle im Bereich Taschendieb
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stahl fest. Eine Nachfrage bestätigte
seine Vermutung - Hedwig war bedingt aus der Anstalt
entlassen worden. Die Statistikkurve der
Taschendiebstähle schnellte in die Höhe, ehe Hedwig
nach fünf Monaten beim erneuten Taschendiebstahl
festgenommen wurde. Wiederum wurde sie in die
Anstalt zurückgebracht und konnte dort ihr „Studium“
fortsetzen. Im August 1962 floh Hedwig aus der
Klinik und setzte ihre Serien der Taschendiebstähle
in Hannover, Hildesheim und Köln fort, ehe sie in
Bielefeld erneut verhaftet wurde. Die Unterbringung
in der Heil- und Pflegeanstalt dauerte nur ein Jahr
an – sie wurde 1963 erneut bedingt aus der Anstalt
entlassen und heiratete nach nur vier Monaten einen
Herrn Succow. Es war eine schöne und vollkommene
Hochzeit, es fehlte an nichts. Nur fehlte |
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es in den vier Monaten rund 200
Hausfrauen aus Hannover und Umgebung an Geldbörsen.
Im Verlauf ihrer zweiten Ehe wurde Hedwig häuslicher
und eröffnet bei verschiedenen Banken Konten, auf
denen sie regelmäßig Einzahlungen vornahm. Ihr
Arbeitseifer stieg stetig. Die von ihr
einstudierten Anfälle verhalfen ihr oftmals, so dass
sie vor Ort entlassen wurde. Im Januar 1965 wurde
Hedwig von Passanten gestellt, nachdem sie eine
weibliche Reisende bestohlen hatte. Die Polizei fand
bei ihr zu Hause rund 8000 DM, des Weiteren
verschiedene Sparbücher, ebenfalls über 8000 DM. Bei
der polizeilichen Vernehmung benutzte sie erstmals
ihre beste Nummer, den epileptischen Anfall, und
wurde wegen Haftunfähigkeit entlassen. Im Mai 1965
wurde sie erneut nach einem Taschendiebstahl in
Hannover festgenommen. Hier zog sie vor den Augen
der Polizisten ihre „Schaum-Show“ ab und wurde
sofort für Haftunfähigkeit erklärt. Viele weitere
Male spielte die geübte Taschenspielerin ihre
Krankheitssymptome immer nach derselben Masche ab
(Oktober 1965, Mai 1966, September 1966, Oktober
1966, November 1966). Lange Zeit hörte der
Kriminalbeamte Albert Anding nichts von seinem
Sorgenkind. Doch im Juli 1967 sollte es wieder
einmal soweit sein. Hedwig wurde wieder bei einem
Taschendiebstahl ertappt und so begegneten sich
Hedwig und Albert Anding erneut. Auch hier vollzog
die gewiefte Hedwig ihre epileptischen Anfälle, sie
spuckte Blut und lief mit dem Kopf gegen die Wand.
Der Kriminalbeamte ließ sich jedoch nicht durch ihre
Anfälle täuschen. Im Verlauf der polizeilichen
Sachbearbeitung stellte er einen genauen Stundenplan
Hedwigs auf und stellte fest, dass sie zu
beachtlichen Leistungen fähig war. Innerhalb von nur
zwei „Arbeitsstunden“ erbeutete sie mit ihren
geschickten Fingern rund 3000 DM. Anding konnte
anhand von Aussagen den genauen Verlauf ihres Tages
ermitteln. Hedwig Succow betrat kurz vor 11 Uhr
vormittags ein Kaufhaus in Hannover und begann mit
ihrer Arbeit als Taschendiebin.
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Auch wenn man vergisst, dass
nicht alle Frauen beim Verlust ihrer Geldbörse
eine Anzeige bei der Polizei erstattet haben –
was die Fehlanzeige zwischen 13:15 Uhr und 14:00
Uhr erklären könnte – so bleibt die Tatsache,
dass Hedwig in zweistündiger Arbeit mehr als
3000 DM einsteckte. Doch auch in der Vernehmung
machte Hedwig keine Angaben zu den Diebstählen,
vielmehr war sie damit beschäftigt, ihre
Symptome vorzuheucheln, um den Arzt
hereinzulegen. Auch dieses Mal hatte sie Erfolg
und wurde auf ärztliche Anordnung in ein
Gefängnislazarett nach Lingen verbracht. Nicht
mal eine Woche später wurde sie in ein
Allgemeines Krankenhaus verlegt, aus dem sie
nach wenigen Tagen putzmunter entlassen wurde.
Hedwig setzte danach ihre Diebstahlserie in Köln
fort, bis sie am 2. Oktober |
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erneut von der Polizei beim
Diebstahl erwischt wurde. Auch hier dasselbe
Spiel, doch diesmal spielte sie eine akute
Leberzirrhose vor. Noch bevor sie von der
Polizei vernommen werden konnte, flüchtete sie
aus dem Krankenhaus und machte sich auf dem Weg
nach München. In München wurde sie von einem
Polizisten beim Diebstahlversuch beobachtet,
verhaftet und im Anschluss in die Klinik nach
Göttingen verbracht. Hedwig gab den
Kriminalbeamten immer wieder zu verstehen, dass
sie eigentlich gar nicht klauen wollte, jedoch
einen Zwang verspüre. Sie wolle ehrlich werden
und eine Stickerei eröffnen. Das notwendige
Kapital hatte Hedwig bereits seit langem
angespart. Auf einem Hildesheimer Bankkonto
hatte Hedwig rund 40.00 DM gebunkert. Weiteres
Bargeld hatte sie sinnigerweise in der
hannoverschen Christuskirche versteckt. Ihre
Hoffnung, dass sie noch ehrlich werden würde,
gründete Hedwig auf einen medizinischen
Eingriff. Sie gab immer wieder zu verstehen,
dass ihre Diebereien auf ihren fehlgeleiteten
Sexualtrieb rückzuführen seien. Sie spürte jedes
Mal einen Sexkitzel wenn sie in den Taschen
fremder Hausfrauen wühlte. Hedwig hatte sich
aufgrund dessen im Juni sterilisieren lassen und
bekam ab dann Hormonspritzen. Viele Mediziner
bestätigten der Polizei, dass es einen solchen
fehlgeleiteten Sexualtrieb gäbe, jedoch war
nicht festzustellen, ob dies auch bei Frau
Succow der Fall war. Das normale Motiv für einen
Taschendiebstahl ist naturgemäß die
Bereichungsabsicht. Immer wieder stößt man bei
der Untersuchung von inhaftierten Taschendieben
auch auf neurotische Motive, als da sind:
fehlgeleiteter Sexualtrieb, Masochismus, Rache
an der Gesellschaft, Bloßstellen des Ehepartners
und so weiter. Die Münchner Gerichtsmedizin,
Herr Dr. Gerwick, bestätigte, dass z.B. manche
frigide Frauen durch den Taschendiebstahl eine
oft bis zum Orgasmus führende sexuelle
Befriedigung verspüren. Auch eine
Schwangerschaft kann den Drang zum Stehlen
auslösen. Dabei ist es oft der unbewusste
übersteigerte Sorgtrieb für das kommende Kind.
Die Mediziner sprechen hier von einem
Drangzustand, der jedoch nicht mit der bekannten
Kleptomanie in Verbindung steht, damit habe es
nichts zu tun. Das ist ein Begriff, der um die
Jahrhundertwende in der Gerichtsmedizin
auftauchte und den es heute kaum noch gibt. Dass
ein Mensch aus krankhaften Zuständen heraus
stiehlt, hat nicht eine einzige, sondern gleich
mehrere Ursachen.
Leider ist nicht bekannt, ob
Hedwig Succow jemals vom Taschendiebstahl hat
ablassen können, oder ob sie aus Altersgründen
aufhören musste. Doch vergessen wird sie so
schnell keiner - gerade ihre Opfer blieb Hedwig
in „guter“ Erinnerung. |
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